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Geh nicht in den Winterwald: Meine Eindrücke

Es wird draußen stürmischer, kälter, immer früher dunkel … perfekt, um sich gegenseitig Gruselgeschichten zu erzählen. Geh nicht in den Winterwald vom System Matters Verlag macht inhaltlich vieles richtig – von der Form her liegt jedoch einiges im Argen. Für mehr Qualität in der Produktion.

Ich will hier gar keinen Bericht schreiben, das haben andere schon mehr oder weniger ausführlich getan. Mir geht es um erste und zweite Eindrücke beim (Versuch des) Lesen(s).

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Gleich vorweg: Ich kann pingelig sein. Und ich bin es in diesem Fall auch. Warum? Weil ich Geld für ein Produkt eines Verlages ausgegeben und hier keine kostenlose Umsetzung eines reinen Hobbyisten vorliegen habe. – Klar, Fehler passieren, mir auch. Darum geht es mir nicht. Ich hab erst kürzlich nochmals das deutsche Freeform Universal durchgelesen und fand auf den knapp 100 Seiten immer noch zehn Fehler. Obwohl zwei Leute, inklusive mir, das Teil vor Veröffentlichung mehrfach gegengelesen hatten. Das also aus dem Weg.

Inhaltliches

An sich ist die Spielidee super und spricht mich sehr an. Ich bin eh gerade auf dem Trip mit „volkstümlichen Ängsten”, da passt das alles gut. Das Setting in Amerika macht mich jetzt nicht so an, das ist aber auch nicht wild, da das Spiel Hinweise zum Erstellen eigener Szenarien enthält, die ich ansiedeln kann, wo ich möchte. Außerdem kann ich die enthaltenen Szenarien anpassen, kein Problem.

Ich finde es immer gut, wenn der Spielleitung noch Tipps mitgegeben werden, wie die Atmosphäre rübergebracht werden kann. Bei Geh nicht in den Winterwald gibt es diese Hinweise bei der Szenario-Entwicklung und im letzten Kapitel unter „Inspirationen”. Das ist alles sehr kurz gehalten, hilft aber.

(Fehlende) Lesefreundlichkeit

Geh nicht in den Winterwald ist mit seinen knapp 70 Seiten DIN A5 quer zum Glück kein Spiel, bei dem ich immer wieder reinschauen muss, um etwas nachzuschlagen. Allein die Regeln sind so einfach, da reicht das einmalige Lesen. Trotzdem muss ich das Spiel aber an sich lesen und da fangen die Probleme für mich an.

Schriftgröße

Die Größe des Fließtextes ist mit (von mir gemessenen) 8 Punkt viel zu klein. Ja, ich hab hier aus historischen Gründen ein Typometer herumliegen, das ich normalerweise als Lineal benutze. Ich bin zwar Brillenträger, war aber vor wenigen Monaten das letzte Mal zur Sehstärkenmessung, da ist mit Hilfe der Brille alles in Ordnung. Zurück zur Schriftgröße. Die ist viel zu klein! Ich will offen sagen, dass ich, bei allem Verständnis für eventuelle Seitenzahlbegrenzungen und so, entsetzt war. Meiner Meinung nach sollte mensch das in Zeiten der Bildschirmarbeit und des permanenten Abhängens vor Monitoren niemandem mehr zumuten. Wäre das Spiel umfangreicher gewesen, hätte ich es wahrscheinlich zurückgehen lassen müssen. So ist es für mich gerade noch akzeptabel.

Was die angeschlagene Lesefreundlichkeit ein wenig rettet, ist der Zeilenabstand, der dem Anderthalbfachen der Schriftgröße entspricht. Da ist also genügend Luft.

Lektorat und Korrektorat

Möglichst fehlerfreie Sprache gehört dazu, um einen Text gut und flüssig lesbar zu machen. Auch da gibt es einige Ausreißer wie Tippfehler in Überschriften, inkonsequentes Setzen von Leerzeichen hier und dort, falsche Silbentrennung oder Trennungen mitten in der Zeile ab und an. Für sich genommen nichts Krasses, aber in der Häufung verleidet mir so etwas das Lesen. Außerdem ergibt sich bei mir der Eindruck, dass da jemand unter starkem Zeitdruck oder mit fehlender Konzentration am Produkt (für das ich Geld bezahlt habe) gearbeitet hat. Laut Impressum haben fünf Leute den Text bearbeitet oder gegengelesen. Das Layout zähle ich nicht dazu. Hmm.

Layout und Gestaltung

Im Ganzen gefällt mir die Gestaltung gut, an das für mich ungewöhnliche Format, A5 quer, habe ich mich schnell gewöhnt. Das Titelbild finde ich mit seiner baumartigen Anmutung sehr gelungen. Die Illustrationen finde ich durchweg stimmig, auch die dunklen Seiten zwischendurch, auf denen Zitate zu finden sind, machen Spaß. Cool.

Auf einer Seite gibt es eine Aufzählung, bei der die Aufzählungszeichen seeeeehr weit von den Aufzählungspunkten entfernt sind. Das kommt mir komisch vor und lenkt meine Augen ab, weil sie in der Zeile immer wieder nach weit links springen wollen.

Fazit

An sich ein Spiel, das ich gerne mal ausprobieren werde, die Atmosphäre ist stimmig, die Regeln passen gut dazu. (Eine Idee für ein Szenario hab ich auch schon.) Problematisch sind für mich aber die super kleine Schriftgröße und so einige Unachtsamkeiten, die ich eher bei einem reinen Hobbyprojekt erwartet hätte. Da ich nicht an der Vorbestelleraktion teilgenommen habe, die das Produkt ermöglicht hat, bin ich deswegen jetzt nicht angesäuert oder so. Wäre ich Vorbesteller gewesen, sähe das wahrscheinlich anders aus.