Over the Edge, Eindrücke vom Spieltest der kommenden neuen Ausgabe

Gestern Abend war ich bei einer Testrunde für die neue Ausgabe von Over the Edge dabei: Drei Spieler machten sich auf den Weg nach Al Amarja, einer mysteriösen Mittelmeerinsel in der Nähe von Malta, um an einer paranormalen Tagung teilzunehmen.

(Das war übrigens die dritte Runde diese Woche nach Monsterhearts und Numenera, ein neuer Rekord für mich!)

Figurenerschaffung

Die Figurenerschaffung ist rein erzählerisch, jede Figur hat ein Hauptmerkmal, ein Nebenmerkmal und eine Schwäche/Komplikation. Meine Figur, Dorian „Brick“ Harding, sah folgendermaßen aus:

Geistig stabiler-? Security-Experte [Hauptmerkmal] mit einer außergewöhnlich guten Hand-Auge-Koordination [Nebenmerkmal], der in Stresssituationen seltsam handelt. [Komplikation]

Das Fragezeichen markiert eine Eigenschaft, die gern selbst und von anderen angespielt werden kann, um die Figur interessant zu gestalten. Es heißt nicht zwangsläufig, dass die Figur geistig instabil ist, sie kann auch geistig stabil gespielt werden. Hier eröffnen sich halt Möglichkeiten fürs Rollenspiel.

Figuren und Objekte haben einen Level, unsere Figuren waren alle weltklasse. Tritt eine Figur gegen eine andere an, wird der Level verglichen und die Differenz angerechnet oder abgezogen. Quasi wie ein Modifikator.

Ich hatte zunächst noch ein weiteres Detail aufgeführt, „mit verborgenem KI-Implantat“, dass ich in unserem Docs-Spieldokument dann aber rausließ. Beide Merkmale meiner Figur sind Symptome des Implantats, es erschien mir dann aber spannender, die Quelle nicht zu nennen. Ich habe Harding dann aber so offensichtlich gespielt, dass relativ schnell klar wurde, was im Busch war.

Ich konnte am Ende der Spielsitzung nichts mehr zu den Inspirationsquellen der Figur sagen, deshalb jetzt ein paar Worte dazu: Die Vorlage für das KI-Implantat ist ein experimenteller, militärischer Kampfanzug aus Justina Robsons Buch Transformation (Bastei-Lübbe, 2006, ISBN 3-404-24346-3). Der Anzug nimmt subtil auf die Gedankengänge des Trägers Einfluss und drückt ihm seinen strategischen Willen auf. Ich fand es beim Lesen super gruselig, aber gleichzeitig auch faszinierend.

Die anderen Figuren waren sehr cool. Wir hatten eine koreanische Frau dabei, die eine evangelikanische Religion gegründet hatte und einen Börsenmakler/Buchautor, der die Finanzkurse durch das Verbrennen des entsprechenden Produktes vorhersagte. Es wurden im Laufe des Spiels Euros, Erdnüsse und ein Häusermodell abgefackelt. HUST.

Spielsystem

Dazu will ich gar nicht so viel sagen. Es nutzt 2W6 und erinnert an PbtA-Spiele. Wir haben die ersten anderthalb Stunden auch gar nicht gewürfelt, was ich cool fand. An Stellen, deren Folgen nicht klar waren, haben wir dann die Würfel geworfen.

Würfelergebnisse bestimmen übrigens nicht den Ausgang einer Handlung, sondern einer Szene. Wir haben allerdings, ohne es zunächst zu bemerken, handlungsorientiert gewürfelt, wahrscheinlich waren wir von anderen Spielen geprägt.

Abenteuer

Unser Spielleiter Dirk hatte sich aus den Spieltestregeln eine Ausgangssituation herausgepickt, die Veranstaltung auf Al Amarja plus einen Gegner, und der Rest ergab sich aus den Figuren und deren Handlungen. Wir hatten viel Spaß, auch wenn letztlich der Börsenmakler den Gegner zur Strecke brachte und nicht der Security-Experte, GRRR! (Haha.) Das lag leider auch an zwei richtig schlechten Würfen.

Fazit

Ich kann mir gut vorstellen, daß neue Over the Edge wieder zu spielen. Ich mag das Spiel in der Gegenwart und dass alles passieren kann. Psionische Fähigkeiten, Magie, Verschwörungen, Außerirdische, ...

Die Figurenerschaffung finde ich super simpel, es gibt keinerlei Werte für die Merkmale, die Einstufung übernimmt der allgemeine Level der Figur. Das wird Spielerinnen und Spielern mainstreamigerer Rollenspiele nicht so gefallen. Aber das muss es ja auch nicht.