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Oneshot: The Skeletons von Jason Morningstar

Am 20.03 spielten wir online The Skeletons von Jason Morningstar und es war super.

The Skeletons von Jason Morningstar

Kurzüberblick

Die Teilnehmer stellen Skelettkrieger dar, die in einer Gruft einen Sarkophag bewachen – seit Jahrhunderten oder sogar Millenia. Im Gegensatz zu bekannten Dungeoncrawlern durchstöbern die Spielerinnen und Spieler hier jedoch keine Kerker, sondern warten darauf, dass Eindringlinge in die Gruft einbrechen. Sie haben keine Erinnerung daran, wer sie einmal waren. Ob sie sich erinnern können?

Das Coole an dem Spiel ist, dass es zwischen den Szenen mit den Eindringlingen Zeiten gibt, in denen die Teilnehmer in Dunkelheit und Stille das Warten der Skelette simulieren. Darauf war ich sehr gespannt, so eine Mechanik kannte ich noch nicht.

Figurenauswahl

Wir spielten mit insgesamt fünf Leuten und hatten mit drei Frauen erfreulicherweise einen entsprechenden Überhang. Das war in meiner Rollenspielerkarriere noch nicht vorgekommen und hat viel Spaß gemacht.

Zunächst wählten wir aus den vorgefertigten Skelettkriegern einen aus, der uns zusagte. Es gab beispielsweise einen kopflosen, einen mit kaputtem Umhang oder auch einen, der an ein Monster erinnerte. Ich wählte ein Skelett mit einem pfeilgespickten Rundschild und einer Bartaxt. Die „Accessoires“ zeichneten wir in einem gemeinsamen Dokument in Google Docs ein, was für sich schon launig war. Jeder, der schon versucht hat, mit der Maus schöne Sachen zu zeichnen, weiß wovon ich rede. :D

Zu jedem Skelett gehört eine Anzahl von Fragen zu dessen Vergangenheit, die während des Spiels selbst beantwortet werden können und teilweise auch müssen. Welche Fragen beantwortet werden, entscheiden die Teilnehmer selbst. Beispiele: „Was war dein Name?“, „Welcher anderen Figur warst du in früheren Zeiten einmal sehr loyal gegenüber und warum?“ oder „Wen liebtest du in deiner Vergangenheit einmal?“

Durch die Fragen ist es auch möglich (und sicherlich gewollt), dass sich Verbindungen zwischen den Figuren ergeben. Ich erinnere mich nicht mehr genau an die Verstrickungen, eine Spielerin knüpfte allerdings an meine Figur an.

Das Zeichnen der Gruft

Danach begannen wir damit, in Google Docs eine grundlegende Karte der Gruft zu zeichnen. Jedes Skelett fügte zusätzlich ein spezielles Detail zur Gruft bei wie z.B. Fresken oder Schätze. Eine entsprechende Frage dazu befindet sich auf dem Figurenblatt. Die Karte wurde mit diversen Fallen und Tötungsmechanismen dann doch ziemlich detailliert, was uns aber nicht störte.

Der finale Stand der Karte

Da wir vorher nicht wussten, welche Eindringlinge genau auftauchen würden, behalfen wir uns spontan im Web mit schnell gefundenen Grafiken, die wir dann einfügten.

Wie zu sehen ist, ging es heiß her: tote Gruftratten, degenerierte Zentauren, Grabräuber und ein zerfetzter Nekromant zierten letztlich die durch ein Erdbeben ruinierte Ruine.

Spielablauf

In The Skeletons gibt es, grob wiedergegeben, folgende Phasen:

  1. Variable Wartezeit in Dunkelheit verbringen
  2. Eindringling(e) aussuchen
  3. Eindringling(e) vertreiben oder vernichten

Außerdem ist das Spiel in drei Abschnitte eingeteilt, in denen die (Warte-)Zeit und die Eindringlinge jeweils länger/stärker werden:

  1. The Unsealed Tomb (Die aufgebrochene Gruft)
  2. The Time of Dust (Die Zeit des Staubs)
  3. The Desecration (Die Schändung)

Je nach Eindringling werden zusätzlich noch aus einer oder mehreren Tabellen Ereignisse ausgewählt, die einzelne Skelette oder die Gruft betreffen. Das kann von magischer Beeinflussung über das Verlieren eines Körperteils bis zur Aufdeckung von falschen Erinnerungen reichen.

Wir entschieden uns dazu, ohne direkte Spielleitung zu spielen und ließen jede/n mal „die Regie übernehmen“, also die Eindringlinge spielen und die Wartezeit auswählen.

Es gibt im Spiel keine Konfliktlösungsmechanismen, das Ergebnis der Szenen wird selbst und frei bestimmt. Das bedeutet bis zur dritten Phase, dass die Skelette alle Eindringlinge besiegen. Erst dann gibt es, nach bestimmten Konditionen, die finale Szene, in der die Skelettkrieger unterliegen.

Gedanken

Dass jede/r in der Runde neben einer eigenen Figur auch mal die Spielleitung innehatte, fand ich spannend. Ich war auch ein bisschen aufgeregt, was ich erst schlimm fand, dann aber toll. Es lief recht gut, auch wenn ich es zunächst ein bisschen schwierig fand, dass alles frei geregelt wurde. Ich gewöhnte mich aber schnell daran, nachdem ich diese „Hürde“ gedanklich genommen hatte.

Keine Regeln, viel Gestaltungsfreiraum – eine Ermunterung

Ich glaube, dass es vielen Leuten so gehen könnte, dass sie vor einer solchen „Freiheit“ Respekt oder sogar ein bisschen Bammel haben. Das bringt schon viel Gestaltungsspielraum mit sich und das kann verunsichern. Wenn man allerdings in einer wohlgesonnenen Gruppe spielt, die ähnlich tickt, kann man sich schon trauen. Und sollte das auch. Jedes Mal, wenn ich in einem solchen Kontext spiele, fühle ich mich ein bisschen sicherer; auch im Zusammenspiel mit den anderen Leuten am (Online-)Tisch.

Inspiriert euch gegenseitig, baut aufeinander auf, vergesst möglichst Perfektionismus. Es wird oft etwas Tolles herauskommen!

Fazit

Das Spiel hat super viel Spaß gemacht! Es war mal wieder ein spielleitungsloses System, das eine schöne Grundidee mit passenden Phasen und Mechanismen verband.

Gerade die ungewisse Wartezeit im Dunklen, die das stumpfe Warten der Skelettkrieger wiedergibt, war toll. Immer, wenn der Satz „Erhebt Euch und schützt die Gruft, Skelettkrieger!“ ertönte, lief mir eine Gänsehaut über den Rücken.

Es war schön, mit so kreativen Leuten zu spielen, da mir das selbst manchmal (gefühlt) schwerfällt. Ich glaube, ich konnte aber ein paar gute Ideen beisteuern, das war cool.

Ich kann mir gut vorstellen, The Skeletons, vielleicht mit anderem Hintergrund als Fantasy, wieder zu spielen.